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Dacia steigt nach 2026 aus dem Rally-Raid aus – warum ein Dakar-Sieger trotzdem aufhört

  • vor 38 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

Die Nachricht hat die Rally-Raid-Welt überrascht: Dacia hat bestätigt, dass das Team „The Dacia Sandriders“ die komplette World Rally-Raid Championship (W2RC) 2026 fahren wird – danach ist Schluss. Das Saisonfinale in Abu Dhabi wird gleichzeitig das letzte Rennen des Projekts sein. Eine Rückkehr zur Dakar Rally 2027 ist offiziell ausgeschlossen.


Und genau das macht diese Entscheidung so unglaublich spannend. Denn normalerweise erwartet man nach einem Dakar-Sieg nicht den Rückzug, sondern den nächsten Angriff. Mehr Budget. Mehr Fahrzeuge. Mehr Dominanz. Doch Dacia geht einen anderen Weg – und dahinter steckt weit mehr als nur Motorsport.


Sportlich ist der Rückzug jedenfalls kaum zu erklären. Dacia hat bewiesen, dass das Konzept funktioniert. Das Team war schnell, professionell und perfekt organisiert. Die Fahrerbesetzung war beeindruckend und die technische Performance der Sandrider-Prototypen war auf Augenhöhe mit den ganz grossen Namen im Rally-Raid. Viele Experten waren sich einig: Dacia hatte alles, um eine neue Ära einzuläuten.


Dacia Sandrider in Action

Umso mehr stellt sich die Frage: Warum hört ein Dakar-Projekt auf, wenn es gerade richtig beginnt?


Die Antwort liegt nicht auf der Strecke – sondern in den Büros der Konzernleitung.

Denn Dacia ist nicht einfach ein kleines Team, das spontan entscheidet, ob es weitermacht oder nicht. Dacia gehört zur Renault-Gruppe, und dort läuft seit einiger Zeit eine klare strategische Neuausrichtung. Motorsport wird neu bewertet – nicht nach Emotionen oder Siegen, sondern nach Kosten, Marketingnutzen und langfristigem Business-Impact.


Ein Rally-Raid-Werksprogramm ist extrem teuer. Die Entwicklung eines Prototyps, die Logistik, das Team, die Ersatzteile, die Testprogramme und der komplette W2RC-Kalender verschlingen Summen, die man als Marke langfristig rechtfertigen muss. Und genau da scheint der Knackpunkt zu liegen: Dacia hat sein sportliches Ziel früher erreicht als geplant. Der Dakar-Sieg ist die grösste Bühne im Rally-Raid-Sport. Mehr geht fast nicht. Und wenn dieses Ziel erreicht ist, wird intern oft entschieden: Mission erfüllt.


Hinzu kommt, dass sich die Renault-Gruppe aktuell stärker auf andere strategische Themen fokussiert. Dazu gehören Elektrifizierung, neue Plattformen, Kostensenkung und die Priorisierung von Motorsportprogrammen, die global am stärksten wirken. Parallel dazu gab es in den letzten Monaten bereits ähnliche Entscheidungen innerhalb des Konzerns – ein Zeichen dafür, dass man Budgets künftig noch gezielter einsetzt.


Für Fans wirkt das brutal. Für Manager ist es logisch.


Dacia wird 2026 also noch einmal alles geben – nicht nur um Rennen zu gewinnen, sondern um das Projekt mit einem letzten Highlight zu beenden. Die gesamte Saison wird zu einer Art Abschiedstour. Und wer Rally-Raid kennt, weiss: Ein Team, das weiss, dass es das letzte Jahr fährt, fährt oft mit besonders viel Feuer. Die Chance ist real, dass Dacia 2026 sogar den Weltmeistertitel holen will, bevor der Vorhang fällt.

Dacia Sandriver Crew Dakar Rally 2026

Für die Szene bedeutet das aber auch: Der Markt wird sich verändern. Fahrer wie Sébastien Loeb, Nasser Al-Attiyah, Cristina Gutiérrez oder Lucas Moraes könnten nach 2026 wieder verfügbar werden – und damit beginnt ein neues Kapitel für andere Hersteller und Teams. Toyota, Ford oder mögliche neue Projekte werden genau hinschauen. Denn ein Dakar-Siegerteam verschwindet nicht einfach, ohne Spuren zu hinterlassen.


Für uns bei TimeOut Racing ist diese Entwicklung besonders schade. An der Dakar Rally 2026 konnten wir einen sehr engen und positiven Kontakt zum Dacia Sandriders Team aufbauen. Der Austausch war offen, professionell und extrem herzlich – und genau so, wie man sich Zusammenarbeit im Rally-Raid-Paddock wünscht.


Wir möchten uns an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bei Linda Hirvonen (PR and Communications – The Dacia Sandriders) bedanken. Danke für die grossartige Unterstützung, die offene Kommunikation und die unkomplizierte Zusammenarbeit während der Dakar Rally 2026. Es war eine Freude, dieses Projekt so nah miterleben zu dürfen.


Auch wenn Dacia nach 2026 aussteigt, bleibt eines klar: Der Sandrider hat Rally-Raid-Geschichte geschrieben. Und manchmal sind es genau diese kurzen Projekte, die in Erinnerung bleiben – weil sie mutig sind, überraschend kommen und mit einem Knall enden.


Wir sind gespannt, wie Dacia die Saison 2026 abschliessen wird – und was danach passiert. Denn eins ist sicher: Im Rally-Raid ist nie wirklich Schluss. Es ist nur die Frage, wann das nächste Kapitel beginnt.

 
 
 

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