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AT oder MT Reifen für die Dakar Classic: Was 13 Etappen wirklich verlangen

Autorenbild: Sven Syfrig
Sven Syfrig
vor 15 Stunden
7 Min. Lesezeit

Frag zehn Dakar Classic Crews, welchen Reifen sie fahren, und du bekommst zehn überzeugte Antworten und mindestens drei verschiedene Profiltypen. Die Debatte AT oder MT Reifen, also All Terrain gegen Mud Terrain, ist älter als die Veranstaltung selbst, und das meiste, was man dazu liest, wurde für Schlamm, Waldwege und Wochenendtouren geschrieben.


Die Dakar Classic ist nichts davon. Also fangen wir beim Gelände an und arbeiten uns zum Reifen zurück.


Die kurze Antwort: Für die meisten Dakar Classic Crews entscheidet nicht das Profil, sondern die Flanke. Saudi Arabien ist eine Stein und Schotter Veranstaltung mit langen Asphalt Verbindungsetappen und einer begrenzten Zahl an Dünenabschnitten. Ein Reifen mit dreilagiger Flanke und guter Steinabweisung zählt deshalb mehr als aggressive Schlammstollen. Das spricht bei leichten und normal beladenen Fahrzeugen für einen robusten All Terrain oder einen Rugged Terrain Hybrid, und für einen Mud Terrain nur dort, wo das Fahrzeug schwer ist, hart gefahren wird oder die Ersatzradstrategie knapp ist. Warum, erklären wir unten, und welcher FALKEN WILDPEAK welchen Fall abdeckt.


Großer Geländereifen steht auf felsigem Wüstenboden bei Sonnenuntergang, mit warmem Staub und Bergen im Hintergrund.

Was die Dakar Classic mit einem Reifen wirklich macht

Die Dakar Classic 2027 führt über 13 Etappen zwischen dem 30. Dezember 2026 und dem 15. Januar 2027, und sie ist eine Gleichmässigkeitsprüfung, kein Rennen gegen die Uhr. Die Durchschnittsgeschwindigkeiten sind tiefer als in der Ultimate Klasse, aber der Untergrund ist derselbe. Ein Team, das die Ausgabe 2022 beendet hat, brachte es auf den Punkt: Im Vergleich zum Hauptevent fährt die Classic auf weniger Sand und auf mehr Off Piste und Felspisten.


Genau dieses Muster sehen wir jedes Jahr aus dem Biwak. Die Reifenkiller an der Classic sind, in dieser Reihenfolge:


  • Flankenschnitte. Scharfer Kalkstein und Feuerstein in Wadi Querungen und auf Felsplateaus. Eine geschnittene Flanke lässt sich nicht flicken, der Reifen ist fertig.

  • Hitze. Lange, schnelle Schotterpisten am Nachmittag, oft mit einem Luftdruck, der für einen Sandabschnitt am Morgen gesenkt und nie wieder erhöht wurde.

  • Schlagschäden. Verborgene Steine im weichen Sand und Auswaschungen auf schnellen Pisten, die den Reifen gegen die Felge quetschen.

  • Verschleiss. Die Asphalt Verbindungsetappen summieren sich über zwei Wochen. Ein Reifen, der auf der Strasse stark abbaut, ist ein Reifen, den du am Ruhetag ersetzt.


Schlamm steht nicht auf der Liste. Ebenso wenig tiefer Lehm oder Waldspurrillen, also genau das, wofür Mud Terrain Reifen gebaut sind. Diese eine Beobachtung stellt die ganze Debatte auf neue Füsse.


Dazu kommt ein Reglementsaspekt. Das technische Reglement der Dakar Classic erlaubt keine Ersatzräder auf dem Dach. Jedes Ersatzrad kostet dich also Innen oder Laderaum und bringt Gewicht tief ins Fahrzeug. Je weniger Reifen du zerstörst, desto weniger musst du mitführen. Deshalb ist Pannenresistenz auf dieser Veranstaltung mehr wert als jede andere einzelne Reifeneigenschaft.


Das Argument für den All Terrain Reifen

Ein moderner All Terrain hat ein geschlossenes Profil mit moderatem Negativanteil, und das bringt drei echte Vorteile an der Classic. Er läuft leiser und kühler auf den Verbindungsetappen, er verschleisst auf Asphalt deutlich weniger, und er schwimmt besser auf Sand, weil er nicht gräbt. Auch der Verbrauch ist tiefer, und bei einer Veranstaltung, deren Reglement eine Mindestreichweite von 350 Kilometern plus Reserve verlangt, ist das kein Detail.


Die Schwäche des klassischen All Terrain ist die Flanke. Viele Light Truck All Terrains sind zweilagig gebaut, was auf Schotterstrassen genügt und auf einem saudischen Steinfeld enttäuscht. Hier sitzt der FALKEN WILDPEAK A/T AT3WA am robusteren Ende der Kategorie: aggressiv gestaltete obere Flanke, steife Profilblöcke, eine Silica Mischung für gleichmässigen Verschleiss und mit 44 Grössen von 15 bis 22 Zoll das breiteste Grössenangebot der drei Reifen in diesem Beitrag. Er trägt zudem das 3PMSF Schneeflockensymbol, was zählt, wenn du dein Classic Auto im europäischen Dezember zum Verschiffungshafen fährst.


Unsere Einschätzung: Auf einem normal beladenen Toyota Land Cruiser oder Mitsubishi Pajero, gefahren mit Gleichmässigkeitsdisziplin, ist ein robuster All Terrain ein vernünftiger Erstreifen, sofern du mindestens zwei komplette Ersatzräder mitführst und den Luftdruck ernst nimmst.


Das Argument für den Mud Terrain Reifen

Jetzt die andere Seite. Der Grund, warum erfahrene Crews für Saudi Arabien nach wie vor Mud Terrains montieren, hat nichts mit Schlamm zu tun. Es ist die Karkasse. Mud Terrain Reifen sind für Misshandlung gebaut, und genau diese Konstruktion belohnt ein Steinfeld.


Der FALKEN WILDPEAK M/T MT01 zeigt, was das in der Praxis bedeutet: eine dreilagige DuraSpec Flanke, versetzte Schulterblöcke, die an der Kante einer Spurrille greifen, eine Rock and Mud Funktion, die Steine nicht zwischen die Blöcke lässt, und eine aggressive obere Flanke, die Schläge wegsteckt, die ein All Terrain nicht überleben würde. Er trägt die POR Kennzeichnung für den professionellen Offroad Einsatz in allen 12 Grössen, von LT235/85 R16 bis 35x12.5 R17.


Der M/T hat eine Dakar Classic Bilanz, die du nachprüfen kannst. 2022 fuhr das portugiesische Team Alves Bandeira/TH Trucks einen WILDPEAK M/T in 245/75 R16 auf einem ehemaligen Werks Ssangyong Musso, legte rund 7'500 Kilometer zurück, davon 2'612 auf Wertungsprüfungen, und kam ohne einen einzigen Reifenschaden ins Ziel. Der Fahrer Joao Costa sagte, er sei vor dem Event skeptisch gewesen, nach der zweiten Etappe habe er gewusst, dass es die richtige Wahl war. Wir waren nicht das Betreuungsteam dieser Crew, aber das Resultat ist dokumentiert und deckt sich mit dem, was wir sehen: Die Crews mit den wenigsten Reifenproblemen fahren fast immer die stärksten Flanken, nicht das cleverste Profil.


Den Preis dafür zahlst du auf den Verbindungsetappen. Mehr Lärm, mehr Hitze, mehr Verschleiss auf Asphalt und die Neigung, sich im weichen Sand einzugraben, wenn der Druck zu hoch bleibt. Auf einem schweren H4 Land Cruiser oder einem voll beladenen 110 mit einer halben Werkstatt im Laderaum ist der Tausch oft sinnvoll. Auf einem leichten Auto mit einem vorsichtigen Fahrer kann es mehr Reifen sein, als du brauchst.


Die dritte Option: Rugged Terrain

Lange war die Wahl binär. Seit 2024 ist sie es nicht mehr. FALKEN hat den WILDPEAK R/T01 als Hybrid lanciert, der bewusst zwischen den beiden sitzt: dreilagige Flanke gegen Schnitte, versetzte Schulterblöcke mit Steinauswerfern und eine ausreichend geschlossene Mitte für anständige Strassenmanieren. FALKEN nennt ihn sein Topmodell für den Offroad Einsatz, er trägt die POR Kennzeichnung und ist in neun Grössen von 16 bis 20 Zoll erhältlich.


Für die Dakar Classic ist das der Reifen, den wir bei den meisten Fahrzeugen zuerst anschauen würden. Er beantwortet die Flankenfrage wie ein Mud Terrain und die Verbindungsetappen und Sandfrage wie ein All Terrain. Seine einzige echte Einschränkung ist die Grössenliste: Es gibt keine 15 Zoll Variante, ein Lada Niva oder ein kleiner früher Pajero bleibt also beim A/T oder beim M/T.


Welcher WILDPEAK für welches Fahrzeug

Jede Reifenwahl beginnt mit der Grösse in deinem Fahrzeugausweis und dem Lastindex, den dein Auto braucht. Prüfe deshalb zuerst deine exakte Grösse auf der Produktseite.


Als Ausgangspunkt für die Fahrzeuge, die wir an der Classic am häufigsten sehen:


  • Toyota Land Cruiser (HDJ80, HZJ78 und ähnliche, H2 bis H4). Schwer, drehmomentstark und meist voll beladen. Der R/T01, wo deine Grösse existiert, der M/T MT01, wenn das Auto am oberen Ende der Gewichtsskala liegt oder der Fahrer gern angreift.

  • Land Rover 109 und 110. Die 235/85 R16, die viele Besitzer anstelle der originalen 7.50 R16 fahren, deckt der M/T MT01 ab. Für ein leichteres Serienfahrzeug, das auf Konstanz gefahren wird, ist der A/T AT3WA eine gültige Wahl.

  • Mercedes G. Der R/T01 ist in einigen Märkten Erstausrüstung bei Mercedes, das sagt dir, wo FALKEN ihn sieht. Eine natürliche Kombination für einen G Klasse Classic Start.

  • Mitsubishi Pajero. Ein häufiges Auto auf der Classic Nennliste und meist eines der leichteren. Der A/T AT3WA oder der R/T01, je nach Grösse und Fahrweise.


AT oder MT Reifen: Wie wir entscheiden würden

Wenn du einen einfachen Entscheidungsweg willst, nimm diesen:


  1. Wieg das Auto so, wie es an den Start geht. Treibstoff, Ersatzräder, Werkzeug, Crew. Über etwa 2,5 Tonnen gewinnt das Flankenargument, und du gehst auf M/T oder R/T.

  2. Sei ehrlich mit deiner Fahrweise. Gleichmässigkeit belohnt Geschmeidigkeit. Ein ruhiger Fahrer auf einem A/T kommt ins Ziel, ein aggressiver Fahrer auf einem A/T wechselt Reifen.

  3. Zähl deine Ersatzräder. Zwei komplette Ersatzräder sind das praktische Minimum. Wenn nur zwei Platz haben und du auf einem zweilagigen Reifen unterwegs bist, ist das ein Risiko, das du bewusst wählst.

  4. Plane deinen Luftdruck. Für Sand absenken und vergessen, ihn für Felsen wieder zu erhöhen, ist der häufigste selbstverschuldete Reifenschaden, den wir sehen. Schreib es in die Roadbook Notizen.


Warum wir das jetzt schreiben

FALKEN ist der Reifenpartner von TimeOut Racing für die Dakar 2027. Das sagen wir offen, und wir sagen auch das andere offen: Unsere Crews haben diese drei Reifen noch nicht in einer Dakar Classic gefahren. Die Empfehlungen oben beruhen auf dem, was wir seit 2022 im Biwak mit Reifen passieren sehen, auf dem dokumentierten Resultat von 2022 und auf der Konstruktion der Reifen selbst. Nach der Dakar 2027 veröffentlichen wir, was auf den Autos unserer Kunden tatsächlich passiert ist, Etappe für Etappe, Luftdrücke inklusive.


Wenn du einen Start vorbereitest und deine Reifen und Ersatzradstrategie für dein konkretes Auto durchsprechen willst: Dieses Gespräch gehört bei jeder Crew zur Vorbereitungsphase.


Häufig gestellte Fragen


Reichen All Terrain Reifen für die Dakar Classic?

Ja, auf einem normal beladenen Fahrzeug mit Gleichmässigkeitsdisziplin, sofern der Reifen eine verstärkte Flanke hat und du mindestens zwei komplette Ersatzräder mitführst. Zweilagige All Terrains sind die Reifen, die wir am häufigsten ausfallen sehen.


Brauche ich Mud Terrain Reifen für die Dakar?

Nicht wegen des Schlamms, den gibt es nicht. Mud Terrain Reifen verdienen ihren Platz an der Classic durch die dreilagige Flanke und die Steinabweisung auf Felsfeldern. Schwere oder hart gefahrene Fahrzeuge profitieren am meisten.


Was ist ein Rugged Terrain Reifen?

Ein Hybrid zwischen All Terrain und Mud Terrain: Flanke und Schulter eines Mud Terrain mit einem geschlosseneren Mittelprofil für Strassenmanieren. Der FALKEN WILDPEAK R/T01 ist das aktuelle Beispiel, lanciert 2024 in Grössen von 16 bis 20 Zoll.


Wie viele Ersatzräder soll ich an der Dakar Classic mitführen?

Zwei komplette Ersatzräder sind das praktische Minimum. Das technische Reglement erlaubt keine Ersatzräder auf dem Dach, sie müssen also innen oder an einem Träger Platz finden. Ein starkes Argument für einen pannenresistenten Reifen.


Welchen Luftdruck fährt man an der Dakar Classic?

Das hängt von Reifen, Fahrzeuggewicht und Gelände ab. Das Prinzip ist wichtiger als eine Zahl: tiefer für Sand, wieder hoch für Felsen und schnelle Pisten, und nie mit Sanddruck auf eine heisse Nachmittagsschotterpiste.


Welchen FALKEN Reifen fuhr der Dakar Classic Finisher 2022?

Das Team Alves Bandeira/TH Trucks fuhr den WILDPEAK M/T in 245/75 R16 auf einem Ssangyong Musso und beendete die Ausgabe 2022 ohne Reifenschaden über rund 7'500 Kilometer.


Über den Autor

Sven Syfrig ist Gründer und Team Principal von TimeOut Racing, einem Rally Raid Betreuungsteam mit Sitz in in der Schweiz. Das 2014 gegründete Team betreut seit 2022 jedes Jahr private Crews an der Dakar und der Dakar Classic, darunter fünf Crews an der Dakar Classic 2026, mit über 660 Mechanikerstunden unter den Autos der Kunden im Biwak. Sven schreibt von dem Ort, den die meisten Berichte nie erreichen: dem Biwak um drei Uhr morgens.

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