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Wohin könnte die Dakar nach Saudi Arabien gehen? Acht mögliche Gastgeberregionen im Vergleich

Autorenbild: Sven Syfrig
Sven Syfrig
vor 13 Stunden
9 Min. Lesezeit

Seit Wochen beginnt jedes Gespräch über die Dakar mit derselben Frage: Findet sie statt, und wo? Über diese Unsicherheit haben wir schon mehrfach geschrieben, zuletzt in Saudi Arabien oder Marokko: was wir wissen. Dieser Beitrag ist anders. Er ist ein Gedankenspiel, und zwar ein positives.


Die kurze Antwort: Saudi Arabien soll die Dakar mindestens bis 2029 ausrichten, hier geht es also nicht um 2027. Bräuchte die Dakar nach Saudi Arabien aber eines Tages ein neues Zuhause, zum Beispiel ab 2030, kämen nur wenige Regionen für eine Veranstaltung dieser Grösse in Frage. Marokko, Südamerika, das südliche Afrika, Ägypten, die Golfregion und Zentralasien sind die realistischsten Kandidaten. Dazu schauen wir uns Nordamerika und Australien an. Jede dieser Regionen würde sich für Fahrer, Teams und Veranstalter ganz anders anfühlen.


Wir schauen sie aus drei Blickwinkeln an: der Teilnehmer, der grossartiges Gelände will, das Team, das Menschen und Ersatzteile dorthin bringen muss, und die ASO, die das Ganze zum Laufen bringen muss.


Was ein Gastgeberland der Dakar bieten muss

Bevor man eine Karte wählt, hilft es, die Grösse der Maschine zu kennen. Die Route der Dakar 2027 in Saudi Arabien war mit 5'320 Kilometern Wertungsprüfungen auf insgesamt 8'390 Kilometern geplant. In den letzten Ausgaben zog jeden Tag ein Biwak mit über 3'000 Menschen weiter, mit bis zu 20 Helikoptern, mehreren Flugzeugen und rund 100 Lastwagen der Organisation. Für die Ausgabe 2024 brachte allein ein Schiff 864 Fahrzeuge, 86 Motorräder und 5 Helikopter nach Yanbu.


Daraus ergeben sich fünf Anforderungen:


  • Platz. Tausende Kilometer offenes Gelände, idealerweise mit Sand, Dünen, steinigen Pisten und wechselnden Landschaften, und die Freiheit, die Strecke so zu legen, dass man nicht jede Stunde eine Stadt durchquert.

  • Ein Staat, der die Veranstaltung will. Sicherheit, medizinische Versorgung, Luftraum für Helikopter, Zoll, Treibstoff und Bewilligungen hängen von der Regierung des Gastgeberlandes ab. In den letzten Jahrzehnten war die Dakar auf Gastgeber angewiesen, die aktiv in sie investieren.

  • Sicherheit. Wie wir in warum die Dakar nicht mehr in Afrika stattfindet (Englisch) erklären, verliess die Dakar Afrika, nachdem die Ausgabe 2008 einen Tag vor dem Start abgesagt worden war. In Mauretanien waren vier französische Touristen getötet worden, und die französische Regierung riet von der Route ab.

  • Logistischer Zugang. Ein Hafen für die Schiffe, Flughäfen für Teams und Ersatzteile und ein Strassennetz für die Verbindungsetappen.

  • Das Wetter im Januar. Die Dakar findet in der ersten Januarhälfte statt. Regionen im tiefen Winter oder in der Regenzeit fallen damit weg.


Marokko: die Wüste vor Europas Haustür


Für Teilnehmer: Marokko bietet die Dünen um Merzouga und den Erg Chebbi, schnelle Steinpisten, felsige Täler im Atlas und lange offene Ebenen. Jeder Rallye Raid Fahrer kennt die Rallye du Maroc, die oft als Prüfstein für die Dakar gilt, und die Merzouga Rally nutzt diese Dünen seit 2010. Das Gelände ist hervorragend, auch wenn die grossen Dünenfelder kleiner sind als das Leere Viertel in Saudi Arabien.


Für Teams: Hier ist Marokko unschlagbar. Fähren fahren von Marseille, Sète und Spanien nach Tanger Med und Nador. Die Africa Eco Race zeigt jedes Jahr, dass Teilnehmer mit ihren Fahrzeugen per Fähre an den Start reisen können. Ein europäischer Privatfahrer könnte das Rennauto oder den Servicelastwagen grundsätzlich selbst an den Start fahren. Kürzere Transporte, tiefere Kosten, mehr Flexibilität bei Ersatzteilen.


Für die ASO: stabile Sicherheitslage, eine eingespielte Infrastruktur für Tourismus und Veranstaltungen und eine gewachsene Rallye Raid Kultur. Die Grenze ist der Platz. Eine Dakar über zwei Wochen mit über 5'000 Kilometern Wertungsprüfungen müsste einen grossen Teil des Landes nutzen oder eine Grenze überqueren. Im aktuellen Gespräch über einen Plan B ist von acht Etappen in Marokko die Rede. Das sagt viel darüber, wie viel Platz es wirklich gibt.


Südamerika: die bewährte Alternative


Für Teilnehmer: Von 2009 bis 2019 führte die Dakar durch Argentinien, Chile, Peru, Bolivien und Paraguay. Viele nennen diese Zeit bis heute die spektakulärste: die Atacama, die Dünen von Fiambalá, die hohen Anden und die Küstendünen Perus. Die Desafío Ruta 40 in Argentinien ist 2026 zurück im Kalender der Rallye Raid Weltmeisterschaft, das Gelände ist also noch da.


Für Teams: Alles muss per Schiff über den Atlantik, das heisst frühere Fristen, längere Transporte und höhere Kosten. Die Höhe ist für Motoren und Menschen ein echter Faktor. Dafür hat die Region begeisterte Motorsportfans und gute Infrastruktur in den grossen Städten.


Für die ASO: Südamerika ist keine neue Idee, sondern ein bekannter Partner. Das Ende dieser Zeit ist aber lehrreich. Für 2019 blieb nur noch Peru. Chile und Bolivien nannten Budgetprobleme, und Bolivien war sich mit dem Veranstalter auch über die Route nicht einig. Zudem gab es Kritik am Umgang mit Kulturerbe, vor allem in der Atacama. Eine Rückkehr bräuchte mehrere Regierungen, die gleichzeitig zahlen wollen, und genau das ist der schwierigste Teil.


Südliches Afrika: Namibia, Botswana und Südafrika


Für Teilnehmer: rote Dünen in Namibia, die Kalahari, Schotterstrassen, die kein Ende nehmen. Die South African Safari Rally war bereits ein Lauf der Weltmeisterschaft. Für Fahrer ist das vielleicht die exotischste Option auf dieser Liste.


Für Teams: lange Seefracht ab Europa, aber Häfen wie Kapstadt oder Walvis Bay sind vorhanden. Im Januar ist auf der Südhalbkugel Sommer, mit Hitze und in Teilen der Region dem Risiko der Regenzeit. Das verlangt eine sorgfältige Streckenplanung.


Für die ASO: Als die Dakar Südamerika verliess, wurde berichtet, dass vor der Wahl von Saudi Arabien auch über Südafrika verhandelt wurde. Mehrere stabile Länder mit touristischer Infrastruktur machen die Region interessant. Eine Route über mehrere Länder bringt allerdings Bewilligungen und Zoll an jeder Grenze.


Ägypten: Wüste mit Dakar Geschichte


Für Teilnehmer: Die Westliche Wüste und das Grosse Sandmeer gehören zu den grössten Dünenfeldern der Welt. Schon die Dakar 2003 endete in Sharm El Sheikh, und die Pharaonen Rallye war viele Jahre ein Klassiker im Rallye Raid Kalender.


Für Teams: Ägypten liegt per Schiff und Flugzeug relativ nahe an Europa. Viele Fahrzeuge fahren schon heute auf dem Weg nach Saudi Arabien durch den Suezkanal.


Für die ASO: Das Gelände passt perfekt zur Dakar. Entscheidend sind dieselben Fragen wie überall: Sicherheit in abgelegenen Grenzregionen, Bewilligungen für grosse Wüstengebiete und ob der Staat in die Veranstaltung investieren will.


Die Golfregion: Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate


Für Teilnehmer: Die Rub al Khali, das Leere Viertel, reicht bis nach Oman und in die Emirate. Die Abu Dhabi Desert Challenge ist seit Jahren ein Lauf der Weltmeisterschaft, die Dünen sind also rallyeerprobt.


Für Teams: ausgezeichnete Flughäfen und Häfen, ein vertrautes Klima, und viele Teams kennen die Region bereits.


Für die ASO: Die Infrastruktur ist erstklassig, die einzelnen Länder sind für eine volle Dakar Distanz aber eher klein, und die Region ist von denselben Spannungen betroffen, die heute auf der Dakar lasten. Als Teilgebiet einer Route ist sie leichter vorstellbar denn als einziger Gastgeber.


Zentralasien: Mongolei und Kasachstan


Für Teilnehmer: endlose Steppe, die Gobi, Dünen und echte Navigation über riesige Distanzen. Die Silk Way Rally führte in mehreren Ausgaben durch Kasachstan, die Mongolei und China.


Für Teams: Das ist das logistische Extrem. Lange Wege, begrenzte Infrastruktur, und im Januar herrscht in der Region tiefer Winter. Das allein schliesst einen klassischen Dakar Termin aus.


Für die ASO: faszinierendes Gelände, aber die Jahreszeit und die politische Lage rund um die Silk Way Rally machen daraus eher eine Sommeridee als eine Dakar im Januar.


Nordamerika: Mexiko und die USA


Für Teilnehmer: Die Sonorawüste und die Halbinsel Baja California sind klassisches Offroad Gelände. Die Sonora Rally im Norden Mexikos war 2023 ein Lauf der Rallye Raid Weltmeisterschaft und gilt als führende Rallye Raid Veranstaltung Nordamerikas. Der Januar ist dort mild, das passt zum Dakar Termin.


Für Teams: Fast alle Teams sitzen in Europa. Alles müsste über den Atlantik, mit längeren Transporten und höheren Kosten als heute. Genau deshalb fährt die Weltmeisterschaft selten in Amerika.


Für die ASO: In den USA ist das meiste Wüstenland Bundesland. Jede Etappe braucht Bewilligungen, und Haftung und Versicherung sind teuer. Mexiko wäre einfacher zu planen, die Sicherheit in Grenzregionen bleibt aber eine Frage. Am ehesten vorstellbar ist eine Route über die Baja California und Sonora.


Australien: das Outback


Für Teilnehmer: rote Erde, Sand und Pisten ohne Ende. Die Australasian Safari führte von 1985 bis 2014 über rund 5'500 Kilometer durchs Outback, die Ausgabe 1988 sogar über 10'000 Kilometer in 15 Tagen von Alice Springs bis Sydney. Das Gelände ist gross genug für eine Dakar.


Der Haken ist der Januar: Die Safari fand immer Ende August statt, im australischen Winter. Im Januar herrscht im Landesinneren Hochsommer mit extremer Hitze, und im Norden ist Regenzeit. Eine Dakar zum gewohnten Termin wäre dort kaum fahrbar.


Für Teams: Australien hat einige der strengsten Biosicherheitsregeln der Welt. Jedes Fahrzeug muss frei von Erde, Pflanzenresten und Insekten ankommen, und gebrauchte Fahrzeuge werden bei der Ankunft vollständig kontrolliert. Für Hunderte Rallyeautos und Lastwagen ist das ein enormer Aufwand, dazu kommen mehrere Wochen Seefracht.


Für die ASO und das Fernsehen: Australien ist Europa acht bis zehn Stunden voraus. Die Etappen liefen in Europa mitten in der Nacht.


Grösse allein reicht nicht

Ein Blick auf die Karte der grössten Länder ist verlockend, zeigt aber schnell, worauf es wirklich ankommt:


  • Russland, Kanada und die USA sind die drei grössten Länder der Welt. Russland ist politisch ausgeschlossen, Kanada hat keine Wüste, und die USA haben das Gelände, aber komplizierte Bewilligungen.

  • China, Kasachstan und die Mongolei haben die Gobi und riesige Steppen, stecken im Januar aber im tiefen Winter.

  • Brasilien ist riesig, hat aber kaum Wüste, und der Januar fällt in die Regenzeit.

  • Australien hat den Platz, aber nicht das Januarwetter.

  • Algerien hat vielleicht das beste Saharagelände überhaupt und schenkte der Dakar viele ihrer Legenden, die Sicherheitslage im Süden schliesst es heute aber aus. Dasselbe gilt für Libyen.

  • Argentinien, Saudi Arabien, Ägypten und Mexiko verbinden grosse Wüstengebiete mit einem trockenen und erträglichen Januar.


Das Muster ist klar: Eine Dakar im Januar braucht trockenes, nicht zu heisses Wetter, einen stabilen Gastgeber und sehr viel Platz. Übrig bleiben der Gürtel von der Sahara bis zur Arabischen Halbinsel, Südamerika und eventuell Mexiko.


Schiff oder selbst fahren: wie die Dakar dorthin kommt

Heute organisiert der Veranstalter den Transport. Die Fahrzeuge werden in Barcelona abgenommen und nach Saudi Arabien verschifft, und die Nenngebühren enthalten den Transport hin und zurück. Dieses System ist für weit entfernte Gastgeber effizient und bliebe für Südamerika, das südliche Afrika oder Zentralasien nötig.


Marokko wäre die Ausnahme. Mit regelmässigen Fähren ab Europa ist ein Modell ähnlich der Africa Eco Race denkbar, bei dem die ganze Karawane per Fähre reist und die Teilnehmer ihre eigenen Fahrzeuge mitbringen. Für Privatfahrer und kleinere Teams könnte das das Budget deutlich verändern. Ob die ASO dieses Modell wählen würde, ist offen. Es würde auch Abnahme, Zoll und Zeitplan anders organisieren.


Unsere Sicht: die Dakar nach Saudi Arabien

Wir führen seit 2022 Dakar Projekte in Saudi Arabien durch, und wir sind gerne dort. Das Land hat enorm in diese Rallye investiert, und die Landschaften sind spektakulär. Nichts in diesem Beitrag ist der Wunsch, wegzugehen.


Über Alternativen nachzudenken, tut unserem Sport aber gut. Jeder Kandidat hat etwas Besonderes: Marokkos Nähe und Fähren, Südamerikas Leidenschaft, die Dünen Namibias und Ägyptens, die Weite der Golfregion und Zentralasiens, die Baja und das Outback. Und am Ende haben alle dieselbe Voraussetzung: einen Gastgeber, der die Dakar will, und genug Platz, damit sich zwei Wochen wie ein Abenteuer anfühlen.

Für unsere Kunden an der Dakar Classic verändert der Austragungsort Routen, Transport und Vorbereitung, aber nicht das Wichtigste. Wer auch immer die Dakar künftig ausrichtet: Ein gut vorbereitetes Fahrzeug und ein Team, auf das du dich verlassen kannst, entscheiden weiterhin, wie weit du kommst.


Häufig gestellte Fragen


Wie lange bleibt die Dakar in Saudi Arabien?

Dakar Direktor David Castera sagte, die Rallye bleibe mindestens bis 2029 in Saudi Arabien, möglicherweise zusammen mit weiteren Ländern. Die genauen Vertragsbedingungen sind nicht veröffentlicht.


Fand die Dakar schon ausserhalb Afrikas statt?

Ja. Nachdem die Ausgabe 2008 aus Sicherheitsgründen abgesagt worden war, zog die Dakar von 2009 bis 2019 nach Südamerika und ab 2020 nach Saudi Arabien.


Welche Länder richteten die Dakar in Südamerika aus?

Argentinien, Chile, Peru, Bolivien und Paraguay. Die Ausgabe 2019 fand vollständig in Peru statt.


Warum hat die Dakar Südamerika verlassen?

Für 2019 machten Chile, Bolivien und Argentinien nicht mehr mit. Chile und Bolivien nannten Budgetprobleme, Bolivien war sich mit dem Veranstalter zudem über die Route uneinig. Danach zog die Rallye nach Saudi Arabien.


Könnte die Dakar nach Marokko gehen?

Marokko hat das Gelände und die Rallyeerfahrung, und es liegt nahe an Europa. Für eine volle Dakar Distanz über zwei Wochen ist der Platz die grösste Einschränkung.


Könnte die Dakar in die USA oder nach Australien gehen?

Grundsätzlich ja, aber nicht einfach. In den USA ist das meiste Wüstenland Bundesland mit komplizierten Bewilligungen, realistischer wären die Baja und Sonora in Mexiko. Australien hat den Platz, im Januar herrscht im Outback aber extreme Sommerhitze und im Norden Regenzeit, und die Biosicherheitsregeln für eingeführte Fahrzeuge sind sehr streng.


Welche grossen Länder könnten eine Dakar ausrichten?

Grösse allein reicht nicht. Eine Dakar im Januar braucht trockenes, erträgliches Wetter, einen stabilen Gastgeber und viel Platz. Das spricht für den Gürtel von der Sahara bis zur Arabischen Halbinsel, Südamerika und eventuell Mexiko.

Wie werden die Fahrzeuge zur Dakar transportiert?

Heute verschifft der Veranstalter sie nach der Abnahme von Barcelona nach Saudi Arabien, der Transport ist in den Nenngebühren enthalten. In Marokko wäre ein Fährmodell möglich, bei dem die Teilnehmer ihre Fahrzeuge selbst mitbringen.


Über den Autor

Sven Syfrig ist Gründer und Team Principal von TimeOut Racing, einem Rally Raid Betreuungsteam mit Sitz in Wollerau in der Schweiz. Das 2014 gegründete Team betreut seit 2022 jedes Jahr private Crews an der Dakar und der Dakar Classic.

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