Dakar 2027 abgesagt? Stand nach den Angriffen auf Saudi-Arabien

Aktualisiert am 15. September 2026
Nein, die Dakar 2027 ist nicht abgesagt. Die ASO hat das TimeOut Racing heute schriftlich bestätigt: Die Gerüchte über eine Absage sind unbegründet, die Organisation der Dakar 2027 läuft wie geplant, und die ASO wird in Kürze informieren. Die Anmeldung ist offen, die Fristen laufen und unsere Vorbereitungen gehen nach Plan weiter.
Verändert hat sich die Nachrichtenlage. Seit Februar ist Saudi-Arabien Teil eines regionalen Krieges, und die Angriffe vom 8. September haben diesen Krieg erstmals in diesem Ausmass in den Südwesten des Landes getragen. Wer ein Dakar- oder Dakar-Classic-Projekt plant, hat ein klares Bild verdient und keine Schlagzeilen. Deshalb hier: was passiert ist, was es geografisch bedeutet, was die ASO sagt und was Du jetzt tun solltest.
Was die ASO sagt
Am 15. September 2026 hat die ASO unsere Fragen schriftlich beantwortet, im Original auf Englisch:
"We understand your questions and they are legitimate. However, the rumors regarding a possible cancellation are unfounded. The organization of Dakar 2027 is progressing as planned, and we are working as usual with our Saudi partners. We are, of course, following the situation closely and will communicate shortly to provide you with the necessary information." ASO, schriftliche Antwort an TimeOut Racing, 15. September 2026
Auf Deutsch: Die ASO versteht unsere Fragen und hält sie für berechtigt, die Gerüchte über eine mögliche Absage sind aber unbegründet. Die Organisation der Dakar 2027 läuft wie geplant, die ASO arbeitet wie gewohnt mit ihren saudischen Partnern zusammen, verfolgt die Lage selbstverständlich aufmerksam und wird in Kürze mit den notwendigen Informationen kommunizieren.
Das deckt sich mit allem, was die ASO seit der Streckenpräsentation am 5. Mai 2026 in Paris gesagt hat. Damals erklärte ASO-CEO Yann Le Moenner, man verfolge die Entwicklung als verantwortungsvoller Veranstalter genau, habe in Saudi-Arabien einen soliden und verlässlichen Partner, und die Teams der ASO seien vor Ort, um die Strecke zu finalisieren. Medienberichte deuteten zudem darauf hin, dass die ASO Alternativszenarien geprüft hat. Genau das erwartet man von einem Veranstalter, der seit über vier Jahrzehnten Events in anspruchsvollen Umfeldern durchführt.
Die ASO gibt nicht nach jeder Schlagzeile eine Stellungnahme ab. Sie kommuniziert, wenn es eine Entscheidung oder neue Informationen gibt. Die angekündigte Mitteilung in den nächsten Tagen ist genau das, und wir aktualisieren diese Seite, sobald sie vorliegt.
Was in Saudi-Arabien passiert ist: das ganze Bild
Um zu verstehen, was die Angriffe vom September für die Dakar bedeuten, braucht es die Abfolge der Ereignisse seit Februar. Es gibt zwei getrennte Bedrohungen, und sie treffen unterschiedliche Landesteile.
Der Iran-Krieg und die Sperrung von Hormus. Am 28. Februar 2026 haben israelische und amerikanische Angriffe auf den Iran einen regionalen Krieg ausgelöst. Der Iran reagierte mit Raketen und Drohnen gegen US-Stützpunkte und zivile Ziele in der ganzen Golfregion, auch in Saudi-Arabien. Über Riad waren Explosionen zu hören, Raketen auf den Luftwaffenstützpunkt Prince Sultan und den Flughafen Riad wurden abgefangen, und am 2. März wurden zwei Drohnen über der Raffinerie Ras Tanura an der Golfküste abgeschossen, deren Trümmer einen Brand auslösten. Aramco stellte die grösste Raffinerie des Landes vorsorglich ab. In den Wochen danach traf ein Geschoss ein Wohngebiet in Al-Kharj südlich von Riad und tötete zwei Menschen, und die US-Botschaft in Riad wurde von Drohnen getroffen. Der Iran hat die Strasse von Hormus faktisch geschlossen, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öls und Flüssiggases fliesst. Seither passieren sie kaum noch Tanker.
Das Rote Meer wird zur Lebensader. Saudi-Arabien war auf eine Sperrung von Hormus vorbereitet. Die East-West-Pipeline transportiert bis zu 7 Millionen Barrel pro Tag von den Ölfeldern im Osten nach Yanbu am Roten Meer, und das Königreich hat den Grossteil seiner Exporte dorthin umgeleitet. Für die Dakar ist das wichtig, weil die Rotmeer-Küste zwischen Yanbu, Rabigh und Dschidda heute der wichtigste Wirtschaftskorridor des Landes ist. KAEC, Start und Ziel der Dakar 2027, liegt im Gouvernement Rabigh an genau dieser Küste. Das ist die am stärksten geschützte Infrastruktur des Königreichs, kein vergessener Winkel.
Die Houthis eröffnen eine zweite Front. Am 20. Juli 2026 haben die iran-nahen Houthis im Jemen ein maritimes Embargo gegen Saudi-Arabien erklärt und begonnen, Schiffe im südlichen Roten Meer und am Bab el-Mandeb anzugreifen. Die Versicherer in London haben die Hochrisikozone auf weitere Küstenabschnitte neben saudischen Häfen ausgeweitet. Tanker aus Yanbu fahren seither nach Norden durch den Suezkanal und die SUMED-Pipeline statt nach Süden Richtung Asien. Am 29. Juli traf eine Drohne unbekannter Herkunft zwei LNG-Schiffe im ägyptischen Mittelmeerhafen Damietta, eine Erinnerung daran, dass auch die Nordroute nicht ausser Reichweite liegt. Saudi-Arabien hat darauf eine multinationale Schutzkoalition für die Schifffahrt im Roten Meer vorgeschlagen, und in der Region werden Landalternativen diskutiert, vom Ausbau der East-West-Pipeline bis zu einer vorgeschlagenen Pipeline über Israel, der Saudi-Arabien nicht zugestimmt hat.
8. September: Die Houthis treffen den Südwesten. Am Dienstag, 8. September 2026, haben die Houthis eine Welle ballistischer Raketen und Drohnen gegen Anlagen von Saudi Aramco in Abha, Najran und Jazan gestartet, alle im äussersten Südwesten direkt an der Grenze zum Jemen. Über 70 Menschen wurden verletzt, an mehreren Energieanlagen und Versorgungseinrichtungen brachen Brände aus, und das saudische Energieministerium hat den Betrieb einzelner Anlagen vorübergehend gestoppt. Es war der erste grosse Houthi-Angriff auf saudisches Territorium in diesem Konflikt. Saudisch geführte Streitkräfte haben in den Tagen danach Ziele im Jemen angegriffen.
Was das geografisch bedeutet. Die iranische Bedrohung richtet sich gegen die Golfküste und den Raum Riad im Osten und in der Mitte des Landes. Die Houthi-Bedrohung richtet sich gegen die jemenitische Grenzregion im äussersten Südwesten und gegen die Schifffahrt im südlichen Roten Meer. Die Route der Dakar 2027 verläuft durch keines dieser Gebiete. Sie startet und endet in KAEC an der zentralen Rotmeer-Küste, führt nach Norden über Al-Ula und Ha'il, nach Osten nach Al-Duwadimi und dann nach Süden über Bisha, Wadi Ad-Dawasir und Al Bahah zurück nach KAEC. Erstmals seit 2020 führt die Rallye nicht durch Riad. Die südlichen Etappen um Bisha und Al Bahah liegen im gleichen Landesteil wie Abha, aber nördlich der getroffenen Grenzregion, und die Streckenteams der ASO kennen dieses Gelände im Detail. In früheren Ausgaben wurden Etappen aus Wetter- und Logistikgründen angepasst, ohne dass der Event als Ganzes betroffen war.
Wir sind keine Sicherheitsanalysten und geben uns nicht als solche aus. Aber wir führen seit 2022 Dakar-Projekte in Saudi-Arabien durch, wir kennen die Geografie und wir lesen die Primärquellen. Das Bild ist ein Land, das an seinen Grenzen und Küsten unter echtem Druck steht, während das Landesinnere und der westliche Korridor, in dem die Dakar stattfindet, weitgehend normal funktionieren.
Was das für Teilnehmer bedeutet
Die praktische Antwort lautet: Heute ändert sich nichts.
Die zweite Assistance-Rate für die Dakar Classic 2027 endet am 30. September 2026, die Anmeldung schliesst am 20. Oktober 2026. Diese Termine sind unverändert. Die europäische Abnahme und Verschiffung sind für den 27. und 28. November 2026 geplant.
Ein Punkt, den wir im Auge behalten, ist die Verschiffung selbst. Die Fahrzeuge fahren von Europa per Schiff durch den Suezkanal ins Rote Meer und passieren Bab el-Mandeb nicht, aber die Transportversicherer haben ihre Hochrisikozone bis an die saudische Küste ausgeweitet. Das kann Fracht- und Versicherungskosten bewegen. Die ASO organisiert den Transport, und wir geben jede Information weiter, sobald wir sie haben.
Wenn Du gemeldet bist, bereite Fahrzeug und Logistik nach dem aktuellen Zeitplan weiter vor. Wenn Du noch entscheidest: Die Fristen sind die Fristen, und auf eine Sicherheit zu warten, die niemand geben kann, kostet Dich eher den Startplatz, als dass es Dein Budget schützt. Was Du tun solltest: Stelle sicher, dass Dein Vertrag mit dem Assistance-Team, Deine Versicherung und Deine Reisebuchungen klare Regelungen für den Fall einer Absage oder Verschiebung enthalten. Das ist bei TimeOut Racing Standard, und wir sprechen es mit jedem Kunden offen an.
Unsere Haltung
TimeOut Racing bereitet zehn Teams auf die Dakar Classic 2027 vor. Wir stehen in direktem Kontakt mit der ASO und verfolgen die offiziellen Kanäle täglich. Wir spekulieren nicht und veröffentlichen keine Gerüchte. Solange die ASO sagt, dass die Dakar 2027 stattfindet, planen wir damit, dass sie stattfindet.
Ändert sich die Lage, liest Du es hier zuerst, in klarer Sprache.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Dakar 2027 abgesagt?
Nein. Am 15. September 2026 hat die ASO TimeOut Racing schriftlich bestätigt, dass die Gerüchte über eine Absage unbegründet sind und die Organisation der Dakar 2027 wie geplant läuft. Der Event ist vom 1. bis 15. Januar 2027 in Saudi-Arabien geplant.
Was genau hat die ASO gesagt?
Dass die Fragen berechtigt, die Gerüchte über eine Absage aber unbegründet sind, dass die ASO wie gewohnt mit ihren saudischen Partnern arbeitet, die Lage genau verfolgt und in Kürze informieren wird.
Was ist im September 2026 in Saudi-Arabien passiert?
Am 8. September haben die Houthis Aramco-Anlagen in Abha, Najran und Jazan nahe der jemenitischen Grenze mit Raketen und Drohnen angegriffen. Über 70 Menschen wurden verletzt, einzelne Energieanlagen wurden vorübergehend abgestellt. Vorausgegangen waren monatelange iranische Angriffe auf die Golfküste und den Raum Riad sowie ein im Juli erklärtes Houthi-Seeembargo.
Führt die Route der Dakar 2027 durch die angegriffenen Gebiete?
Nein. Die Route verläuft durch den Westen und Südwesten des Landes, bleibt nördlich der jemenitischen Grenzregion und führt nicht durch Riad. Start und Ziel sind in KAEC an der Rotmeer-Küste.
Gelten die Fristen für die Dakar Classic 2027 weiterhin?
Ja. Die zweite Assistance-Rate endet am 30. September 2026, die Anmeldung schliesst am 20. Oktober 2026.
Was passiert, wenn die Dakar 2027 doch abgesagt wird?
Die ASO würde das offiziell kommunizieren. Teilnehmer sollten die Stornobedingungen ihrer Nennung, ihres Assistance-Vertrags und ihrer Versicherung prüfen. Kunden von TimeOut Racing können sich für ihre individuelle Situation direkt an uns wenden.




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